Dienstag, 5. April 2016

SZ vom 05.04.2016

 Saarbrücken
„Melankomisches“ Chanson-Duo
Klavierspieler und Sänger Henrik Geidt mit Kontrabassist Jörg Jenner im Leidinger

Von  Nadja Spieldenner, 
05. April 2016, Saarbrücker Zeitung 05.04.2016
 
Er kam von der Klassik über den Jazz zum Chanson – heute schreibt Klavierspieler und Sänger Henrik Geidt eigene Stücke, in denen er Alltag und alltägliche Situationen „melankomisch“ aufbereitet.
„Jetzt hast du dein ganzes Leben lang irgendwelche Werke interpretiert, jetzt machst du mal was Eigenes!“ Henrik Geidt, Klavierspieler und Sänger, ist nicht nur ein Mann von Wort und Tat, sondern vor allem ein Mann der Musik.

„Mein musikalischer Werdegang beginnt ganz klassisch, mit Klavierunterricht“, erzählt er. Geidt brennt für die Musik, sie ist seine Leidenschaft. Schon lange vor dem Abitur weiß er, „nach dem Abi mach ich was mit Musik.“

Toningenieur wollte er werden, zum Studieren nach Düsseldorf gehen. „Zum Glück hab ich die Aufnahmeprüfung dort nicht geschafft, und bin dann in Saarbrücken genommen worden, für Schulmusik.“ Klavier- und Gesangsunterricht ziehen sich fortan wie ein roter Faden durch das Leben des Musikers.

Irgendwann im Laufe des Studiums wird Geidt von seinem Gesangslehrer entdeckt: „Er hat gesagt: du hast eine tolle Stimme, mach doch was draus!“ Und ehe er es sich versah, war er in einer Opernproduktion, sogar auf eine der Hauptrollen besetzt. „So bin ich dann eigentlich in den Gesang reingerutscht.“ Obwohl Geidt immer schon Spaß an Gesang hatte, hegte er Zweifel, „dass es dafür reicht.“

An das Studium der Schulmusik schloss der Musiker ein Gesangsstudium an, das er 1998 mit einem Konzertdiplom abschloss. „Ich habe dann viel gesungen, hier im Saarland, bei vielen Produktionen und auch beim Rundfunk und bei Konzerten.“ Doch ein Leben als klassischer Sänger kann Geidt sich nicht vorstellen, er sucht nach Alternativen.

„Ich habe dann Jazz gemacht, aber auch im Jazz ist man ja hauptsächlich Interpret. Dann hab ich irgendwann angefangen, eigene Sachen zu entwickeln.“ Zunächst im Stil der Jazz-Standards auf Englisch, später dann auf Deutsch. „So hat sich das nach und nach entwickelt, dass wir gesagt haben, das geht in die Chanson-Richtung.“ Inzwischen ist Geidt angelangt in seinem Künstlerdasein: „Ein langer Weg, von der Klassik, über den Jazz bis hin zum Chanson.“

Seit fünf oder sechs Jahren spielt Geidt zusammen mit seinem Kontrabassisten Jörg Jenner. „Wir haben uns spezialisiert auf das Duo Klavier und Kontrabass. Das wollen wir jetzt auch beibehalten.“

In seinen Liedern verpackt der Klavierspieler und Sänger Alltag und alltägliche Situationen. Vor allem solche, die ihm auch nach längerer Zeit keine Ruhe lassen. „Dann überlege ich mir, kann man daraus ein Lied machen, beschäftigt das andere und finden die das witzig; man muss dann eine kleine Keimzelle bauen.“

Aus „Keimzellen“ entstehen Geidts Songs, es kann ein Satz reichen, „an dem sich alles andere anhäuft. Man muss warten, was da angespült kommt.“ Stimmt erst einmal der Text, ist eine passende Melodie schnell gefunden: „Die Melodie fließt mir dann zu.“

Nicht ganz einordnen lässt sich die Kunst, die Henrik Geidt produziert, eher füllt sie eine eigene Nische. „Es ist nicht richtig komisch, und ich bin kein Kabarett. Es ist so eine Mischform - man kann das schwer labeln. Aber ich nenne es gerne: das Melankomische!“

Im privaten Bereich eher der Beobachter, ein ruhiger Geselle mit Humor und Neugier am Weltgeschehen, wird Geidt auf der Bühne förmlich zu einem anderen Menschen. „Da werde ich zum Beobachteten, aber ich genieße das trotzdem. Ich bin mir meiner Sache sehr sicher, und es ist ein Genuss, schöne Musik zu machen, zusammen mit Jörg.“ Das Duo schafft sich mit seinen Liedern und Melodien sozusagen selbst ein schönes Erlebnis. „Ich sage immer: Komm, wir gehen auf die Bühne und haben unsere Ruhe!“ Sie erleben und genießen ihren Abend im Rampenlicht und vergessen dabei sogar fast, dass Publikum anwesend ist. „An erster Stelle sind wir Musiker, das Erleben der Musik in dem Moment ist wichtig!“
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Auf einen BlickAm Samstag, 9. April, 19.30 Uhr, beginnt im Leidinger das Konzert „Beziehungsweisen“. Es bietet – wie die Künstler selbst sagen – „melankomische Chansons, verstörend schön, beswingend elegant“. Die Künstler sind der Klavierspieler und Sänger Henrik Geidt und der Kontrabassist Jörg Jenner. Sie präsentieren Lieder, die Geidt getextet und komponiert hat. redticket-regional.de

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